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Joystick Quest

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CompuJack
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Joystick Quest

Beitrag von CompuJack » Fr 7. Sep 2018, 01:21

"Dies ist die Erzählung von tapferen Gefährten, die mir zur Seite standen, in allen Lagen, bei jedem Gefecht. Ich sah tapfere, schwächliche, legendäre, Verräter und Helden. Der tapferste unter ihnen steht nun seit 3 Dekaden in meinen Diensten - Hail to the King Baby!"

Als ich 1985 meinen ersten Commodore 64 bekam, musste ein Joystick als Eingabegerät zum Zocken her.. Denn für was sonst hatte man einen C64? Für die Schule? Gelächter...
Mit 16 Jahren und in einer Arbeiter Familie lebend, dazu noch in ländlicher Idylle .. Unser Amazon war der Quelle Sammelbesteller... Also musste erst einmal der alte ATARI VCS 2600 Knüppel herhalten, der dank 9pol Trapezstecker kompatibel war. Die Konsole hatte Jahre zuvor einen Umzug nicht überlebt..

Der Stick hatte da mehr Glück.
Atari Stick.jpg
Atari Stick.jpg (8.89 KiB) 460 mal betrachtet
Irgendwer schenkte mir dann mal einen Spectravideo Quickshot II, die erste Ausführung mit Dauerfeuer Schalter und Folienkontakten, wie der Atari auch.
Der martialische Pistolengriff hatte was.. nämlich keinen Sinn..bei Spielen wie z.B. Decathlon, Track & Field oder allem wo nicht geballert wurde.. Aber Ok, geschenkt halt - und der damalige Kurs von um die 30 DM wäre ok gewesen - Wenn man mal davon absieht das er bereits nach 2 Wochen die ersten Aussetzer hatte weil die Folienkontakte durchgedrückt waren..
Quickshot_II.jpg


Also zurück zum Atari Knüppel..

In der Schule quatschten irgendwann alle von einem Stick namens Competition Pro..
DAS Teil schlechthin, sagten sie. Die ersten Modelle wurden noch von der Firma Suzo mit Folienkontakten wie beim Quickshot hergestellt (schwarzer Knauf). Bis ich mir den durch niederer Jobs, wie Hunde sitting etc. leisten konnte (1986), war schon das allseits bekannte Mikroschalter Modell am Start (roter Knauf).

49 DM war nicht wenig für einen nicht prominenten Schüler, aber egal. Der soll ja soo robust sein... Er hielt zumindest länger als meine Handflächen. Wer das Teil kennt: 2 Feuerknöpfe, mit der gleichen Funktion belegt. Die Haptik wirkte solide, war sie auch. Sogar zu sehr.
Nach mehrstündigem Einsatz hinterließ das Gerät schon deutliche Druckstellen an der Handfläche, weil die Kunststoff Oberfläche absolut unnachgiebig war.

Ergonomisch geformt wie ein mit Zement gefüllter Blumenkasten..

Auf dem Tisch stehend war es auch nicht besser. Mit seiner kleinen Standfläche musste man ihn mit der Feuertasten Hand auch noch festhalten, damit er nicht wegrutschte.

Wenn Produktdesigner Drogen nehmen, kommt sowas bei raus.. Und die konnten sie sich auch leisten weil er bis 1993 ein Verkaufsschlager wurde!

Und zwar ganz einfach weil die anderen noch mieser waren.
Comp.png
Fun Fact: Ich habe beim Aufräumen vor kurzem tatsächlich noch einen Competition Pro gefunden... Angeschlossen und siehe da: 2 Mikroschalter waren ohne Funktion.. ohne Worte.. :-)

Als ich mich damit eigentlich schon irgendwie abgefunden hatte, stand ich irgendwann 1988 im Bonner Kaufhof vor dem Joystick, den ich heute, nach 30 Jahren immer noch besitze..

.. und am C128D auch noch benutze:

Den WICO Command Control Joystick.
IMG_2120.JPG
Wico III.jpg
Von WICO hatte ich noch nie gehört und der Preis von 119 DM musste ein Druckfehler sein.. dachte ich.. Einer war ausgepackt und mir fiel sofort das recht hohe Eigengewicht auf.

Nix für jähzornige Joystick Werfer.. was der trifft, stirbt..

Die beiden Feuertasten an der Basis und oben auf dem Knüppel selber sind per Schiebeschalter am Sockel wählbar. Der Basis Knopf sieht Competition Pro-mäßig aus, der obere hingegen... nun ja.. irgendwo zwischen VW Käfer Lichtschalter und Klingelknopf.

Die Form folgt der Funktion, sagen manche..

Doch was machte den Stick so extrem robust? Man muss wissen, das die Firma Wico, bevor sie in den Heim Computer Markt einstieg, vornehmlich Steuerknüppel für Spielhallen Geräte entwickelte. Da ist enorme Zuverlässigkeit Pflicht. Keine Folien-kontakte oder Mikroschalter oder sonstiges Gedöns.. Nein, Metal Lamellen, angetrieben durch eine durchgehende Stahl Welle.. Quasi wartungsfrei und unkaputtbar..
Wico II.jpg
Doch wie an das Objekt der Begierde rankommen? Klauen war nicht mein Ding und meinen Körper verkaufen schon gar nicht.. Es waren noch 11 Stück am Lager, teilte man mir nach Anfrage mit...

Panik lag in der Luft.

Es gab nur einen Ausweg: Nach Zwei Tagen erbittertester Verhandlungen mit meinen Eltern, einer endlos wirkenden Reihe von Versprechen meinerseits, die selbst Nixon hätten rot werden lassen und der Drohung das ich ohne diesen Stick dem Wahnsinn anheim fallen würde, erklärten sie sich bereit, den fehlenden Betrag zuzusteuern... und ihn mir zu meinem Geburtstag zu übergeben...

Wir hatten März.. Geburtstag war im Juni. Seit dem weiß ich das es eine Hölle gibt... Und Eltern gehören zum Personal.

119 DM war zwar seinerzeit obszön teuer.. doch auf die Jahre gerechnet, ein Witz. Der WICO war auch der letzte Joystick, den ich mir je für diese Plattform gekauft habe. Das es noch teurer, schwerer und gemeiner geht entdeckte ich erst in der PC Ära... doch dies ist eine andere Geschichte.. :-)
Als vor 13 Jahren, CompuJack noch als Interceptor666 unterwegs war.. :-)

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